Mit dem Z3 auf der Hamalandroute

Routenlänge ca. 200 km

Ein Bericht von

Dipl.-Ing. (FH) Gerd Kebschull Gerd.Kebschull@t-online.de
Marita Kebschull
 Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende arbeiten. Eigentlich muß die Steuererklärung fertiggemacht werden... doch dann dieses Lied von Joe Cocker im Radio - da ist sie wieder die alte Sehnsucht, eins zu sein mit der Natur, die Luft zu atmen, - frei zu sein. On the Road again. Vor der Tür wartet der Z3. Es ist zwar Herbst (1997), aber das Münsterland ist zu jeder Jahreszeit schön, und auch mit Verdeck macht ein Roadster Spaß.


Roadster Reise Route soll den Spaß an Wochenendfahrten vermitteln. Diese Serie ist weder ein Autotest, noch ein Reiseführer, sondern soll animieren - sich mal selbst aus dem Trott zu holen. Also, steigen Sie ein, fahren Sie mit, lassen Sie sich mitreißen...

Die Hamalandroute ist sicherlich nicht so bekannt wie die "Grüne Küstenstraße", "Die Deutsche Weinstraße" oder "Die Hunsrückhöhenstraße", aber Orte wie Ahaus, Velen, Borken, signalisieren sofort - hier geht es um das Münsterland. Das westliche Münsterland ist berühmt für seine zahlreichen Wasserburgen. Die Hamalandroute (Chamavenland, gesprochen Hamavenland) wird nach einem alten sächsische Gau benannt und führt durch das Münsterland bis kurz hinter die holländische Grenze. Die Rundreise ist nur etwa 200 km lang - also gerade richtig für eine Tagestour!

Da wir vom südlichen Emsland anreisen, sind wir über die A31 in nur 30 Minuten an unserer ersten Station Ahaus angekommen. Schon die A31 in Richtung Oberhausen zu fahren, ist ein Genuß.

Da wir früh unterwegs sind, herrscht wenig Verkehr und der Z3 schnurrt wie ein Kätzchen. Wir bewegen einem 1.9 l BMW Z3 Roadster (Farbe: Bostongrün - Metallic), gut ausgestattet mit Bordcomputer, Sportfahrwerk, Sitzheizung usw. - alles da, was das Herz begehrt. Sicherlich sind 140 PS eine Frage des "Geschmacks" - für den einen etwas wenig (bitte auf den 2.8-Liter oder M-Roadster ausweichen), für den anderen gerade richtig. Denn Roadster fahren wird meist nicht mit "Rasen" in Verbindung gebracht. Der Wagen "hängt" gut am Gas und 200 km/h sind für uns kein Problem. Auch die Windgeräusche sind erfreulich niedrig!

Viel zu schnell müssen wir den Wagen abstellen - aber es lohnt sich... Die Hauptsehenswürdigkeit von Ahaus ist das barocke Wasserschloß. Das Schloß war früher die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Münster. Das große Waldgebiet Bröcke, mit tausenjährigen Eichen, lädt zum Spaziergang ein. Ganz in der Nähe liegt das Haus Horst, ein kleines Renaissanceschloß nicht weit von Heek entfernt (Heek gehört nicht mehr zur Hamalandroute). In Heek lohnt es sich, die alte romanische Kirche zu besuchen, die im 15. Jahrhundert gotisiert wurde. Besonders erwähnenswert ist der wertvolle romanische Taufstein. Wer Lust und Zeit hat, sollte noch einen Abstecher nach Nienborg machen und dort ebenfalls die alte Kirche besuchen.

Wir fahren nach Gemen (gibt es auch noch einmal in der Nähe von Borken) und über Asbeck nach Legden weiter, bekannt durch die größten Dahlienkulturen Deutschlands. Nun lenken wir den Z3 über Holtwick, kreuzen die A31, weiter nach Gescher und dann Richtung Süden. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Velen.

Natürlich ist der Z3 kein Packeseln. Aber die paar Sachen für eine Tagestour sind rasch im Kofferraum verschwunden. Das Öffnen des Kofferraums ist etwas gewöhnungsbedürftig - und schwupp mußte tatsächlich ein Fingernagel "´dran glauben" (ungeschicktes Fleisch). Ist man mehrere Tage unterwegs, wird man wohl um den Heckklappenträger und den schicken Hartschalen-Koffer Z3 nicht umhinkommen.

Velen hat ein wunderschönes Wasserschloß (Sporthotel; -Sportschloß) mit einer ganz ausgezeichneten Küche. Auch zu empfehlen für Hochzeiten, Tagungen oder einfach nur als Sportwochenende. Das romantische Wasserschloß wurde um 1700 gebaut und gehört stilistisch schon dem niederländischen Klassizismus an. Das Schloß liegt in Mitten einer großen Parklandschaft und besitzt ein Glockenspiel mit 37 Glocken. Die Orangerie und Fasanerie wurde 1755 von J.C. Schlaun erbaut. (Johann Conrad Schlaun, geboren am 5.6. 1695, gestorben am 21.10. 1773 in Münster, deutscher Baumeister des Barock, z.B. Schloß Nordkirchen, Jagdschloß Clemenswerth bei Sögel (1737-44), Clemenskirche (1744-54), Residenz (1767-73, nach 1945 wiederhergestellt als Universität) in Münster).

Von Velen geht es weiter nach Süden. Wir kreuzen wiederum die A31 und fahren dann nach Reken, wieder zurück nach Heiden (wer ein wenig knapp mit der Zeit ist, kann auch direkt nach Süden, Richtung Heiden fahren). Weiter geht es über Borken-Marbeck nach Raesfeld. Hier wäre der ideale Startpunkt der Route für Reisende, die aus dem Süden kommen (A31 Abfahrt Schermbeck, B224 Richtung Raesfeld).

In Raesfeld (gespr. Raasfeld, das "e" als Dehnungsbuchstabe) ist das Schloß des Generalfeldmarschalls von Velen zu bewundern, der im Volksmund auch der "Westfälische Wallenstein" genannt wurde. Dieser ließ die Burg gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges von Michael von Gent zu einem der imposantesten Wasserschlösser umbauen. In diesem Schloß, daß eigentlich der Spätrenaissance zuzuordnen ist, werden schon die ersten Elemente des neuen Barockstils sichtbar.


Die Sonne meint es gut mit uns. Mitte Oktober und 18 Grad Celsius. Bei der Sonnenblende hatten die Interieur-Designer keine passende Schablone gefunden, denn die Sonne findet immer einen Weg, an den Blenden "vorbeizuluken" (oder nach dem Motto: "Wer Z3 fährt, trägt schließlich immer eine Sonnenbrille"). Rasch und mit wenigen Griffen ist der Windschutz auf- und das Verdeck umgeklappt. Als Sonderzubehör zwar auch elektrisch erhältlich, aber was ein richtiger Roadster-Fan ist, der klappt natürlich "von Hand".

Die Hamalandroute geht nun eigentlich ein kurzes Stück weiter auf der B70, dann rechts Richtung Borken-Thebing und über die B67 nach Borken. Diesen Schlenker schenken wir uns, und wir fahren direkt über die B70 via Borken, auf die B67 Richtung Gescher. Recht bald erreichen wir das Wasserschloß Gemen. Diese 900 Jahre alte Burg hat der Bischof von Münster für die Jugendarbeit gepachtet (12 Konferenzräume, 4 Meditationsräume und 230 Betten). Das Wasserschloß ist als Jugendburg ausgeschildert.

Wer genug Zeit hat, kann auch in Borken verweilen. Schön die alten Stadtmauern mit den fünf Türmen und die über eintausend Jahre alte St. Remigiuskirche mit bedeutenden Kunstschätzen: ein Gabelkreuz aus dem 14., ein romanischer Taufstein aus dem 13. Jahrhundert usw. Ebenfalls sehenswert die Marienkirche in Gemen - einst Franziskanerkloster - ein klassisches Bauwerk aus dem Hochbarock.

Wer den niederländische Landstrich kennt, sollte sich Winterswijk "schenken", weil sonst zu wenig Zeit für den Zwillbrocker Venn bleibt.

Wir fahren weiter von Borken nur ein kurzes Stücken auf der A67 Richtung Bocholt, dann rechts Richtung Bocholt-Hoxfeld. Sollten Sie diese Abfahrt verpaßt haben, können Sie auch die nächste Straße rechts nehmen und dann weiter Richtung Bocholt-Nienhaus fahren. Hinter Rhede-Vardingholt aufpassen, von da aus geht es rechts über eine kleine Straße nach Bocholt-Barlo weiter. Von hier ist es nicht schwer, nach Winterswijk zu finden, der erste Ort in Holland direkt hinter der Grenze. Hier gibt es eine sehenswerte Marktkirche, ein geologisches und ein naturhistorisches Museum zu besichtigen, das sogenannte Streekmuseum.

Über Lichtenvoorde fahren wir weiter nach Groenlo, dann Richtung Eibergen. In der Nähe von Rekken steht eine Windmühle, die typisch für den holländischen Landstrich ist. Kurz vor der Grenze geht es noch einmal nach Norden, Richtung Haaksbergen. In Altstätte angekommen, befinden wir uns wieder auf deutschem Boden. Wir erreichen Ahaus und dort schließt sich der Kreis.

Der Z3 macht einfach Spaß! Auch meine fast 190 Zentimeter "passen" problemlos in das Auto. Die Sitzverstellung regelt sich elektrisch. In raschen Kurven könnte man ein wenig mehr Seitenhalt haben - aber weit kann man ja nicht rutschen. Die Sitze sind angenehm straff und die Lederausstattung Oregon/Moosgrün/Dunkelbeige harmoniert hervorragend zur Außenlackierung. Auch die Edelholzausführung unterstreicht - das ist ein edles Fahrzeug!

Jetzt geht es weiter Richtung Vreden. Vreden liegt etwas Abseits der Route, sollte aber, da es der ehemalige Hauptort des Gaues Hamaland war, unbedingt besucht werden. In Vreden lag auch ein Haupthof von Herzog Widukind. Die Stadt wurde um 1060 gegründet, im Laufe der Zeit öfter zerstört und abgebrannt. Die Keimzelle des Ortes war die Stiftskirche, die von der Äbtissin Adelheid, Tochter Kaiser Otto II. (1014-44) errichtet wurde. Sehenswert ist auf jeden Fall der Antwerpener Flügelaltar. Bedeuteten Funde können im Hamalandmuseum besichtigt werden. Die Fürstbischöfliche Burg haben wir lange gesucht, weil von dieser kaum noch etwas übrig ist. Sie ist ausgeschildert als Rathaus und ist mit diesem neuen Gebäude integriert.

Auf dem Parkplatz wird der Z3 bewundert. "Mensch, das ist ja das James Bond Auto," sagt ein kleiner Junge. Interessant ist das Freilichtmuseum Vreden (im Winter geschlossen) oder das Hamaland-Museum in dem das Leben der Vorfahren gezeigt wird.

Einziger Kritikpunkt unserer Meinung nach ist das BMW Business RDS-Radio, das für 1.150 DM einfach zu teuer ist. Auf den Bordcomputer (360 DM) dagegen würden wir nicht mehr verzichten wollen. Auf Knopfdruck stehen alle wichtigen Daten wie Uhrzeit, Durchschnittsverbrauch, Außentemperatur, Durchschnittsgeschwindigkeit zur Verfügung. Und natürlich die Information, wie weit ich noch fahren kann, wenn die roten Warnlampe signalisiert: Ich brauche Sprit! Sinkt die Temperatur unter +3°C, ertönt ein Warnsignal: Glatteisgefahr!

Eine ganz andere Attraktion oder ein Muß, ist die Lachmövenkolonie Zwillbrocker Venn (beschildert Richtung Zwillbrock). Bevor es ins Venn geht, sollte man einen Abstecher in die prachtvoll ausgestattete Barockkirche (1717) machen. Sehenswert die herrliche Schleifladenorgel und der Hochaltar mit den beiden Seitenaltären. Im Zwillbrocker Venn gibt es Moor, Heide, Tiere - also Natur pur. Es soll dort sogar Flamingos geben. Vermutlich handelt es sich um chilenische Tiere, die aus Tiergärten stammen. Im Prospekt wird erwähnt, daß sogar mehrmals erfolgreich Jungtiere großgezogen wurden. Eine zweistündige Führung wird bei Voranmeldung durchgeführt (ab zehn Personen, Der Preis beträgt 5,- DM pro Person). Festes Schuhwerk wird empfohlen (Anmeldung: Biol. Station Zwillbrock e.V., Tel. 02564/871).


Und so geht dieser ereignisreiche Tag dem Ende zu. Kaum zu glauben, daß unser Thermometer mitten im Oktober 18 Grad angezeigt hat. Der Bordcomputer gibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 50 km/h an. Klar: Reisen statt rasen. Der Z3 ist ein unkompliziertes Auto was Fahrspaß, Komfort und Wirtschaftlichkeit miteinander kombiniert. Der Bordcomputer hat einen Durchschnittsverbrauch von 8,2 l/100 km gemessen. Aber Achtung, der Z3 macht süchtig!

Der Z3 freut sich, daß es nun wieder in rascher Fahrt auf der A31 in Richtung Heimat geht. Wir genießen die Fahrt und beschließen, hier fahren wir noch einmal hin!


Informationen: Gemeindeverwaltung Velen (02863) 926-0; Fax: -299; Borken Stadtverwaltung (02861) 939-9; Fax: 66-792; Stadtverwaltung Coesfeld (02541) 939-0; Stadtmuseum Turmgalerie 939- 4723; Verkehrsbüro 939-150 Fax:939-101; Stadtverwaltung Ahaus: (02561) 72-0; Verkehrsverein 72-288; Fax: 72-105;

Verkehrsverein Vreden (02564) 4600 Fax: 31744, Stadtführung (1-1,5 Std); Kirchenführung (ca. 1,5 Std), Hamalandtag: 3. Wochenende im Oktober (verbunden mit den Vredener Jazztagen); Heimattag jeden 3. Sonntag im April.

Internet: Borken: http://www.borken.de ; Verkehrsverein, E-Mail: stadtpost@borken.de

Essen und Trinken:

Ein Hotel/Restaurant (***) in Zwillbrock, 48691 Vreden- Zwillbrock Tel.: 02564/9120; Fax: 02564/912150; Auch Fahradverleih pro tag 10,- ½ Tag 7,-DM

Übernachten: Sporthotel Velen Tel.: 02863-203-0, Fax: (02863) 203-788, auch günstige Pauschalen, z.B. "Zum Kennenlernen", "Aktiv-Ferien", "Gesundheits-Wochenende" usw. Auch für Tagungen und Seminare geeignet. Golf: 9-Loch-Platz in Coesfeld (ca. 10 Min. Fahrt).

Gruppenunterkünfte z.B. DRK-Jugendhof, Borken, Tel. 02861-62062, Bildungszentrum Schönstatt-Au, Borken Tel. 02861/923270, Kloster Mariengarden, Borken Tel. 02862-30213, Familie Jünck "Schalfen wie die Knechte und Mägde" auf dem Bauernhof. 20-40 Plätze im Stroh (Schalfsack ist mitzubringen) Tel. 02861/5839.

Das Verkehrsamt Borken ist an der Buchungszentrale Münsterland angeschlossen. Dort gibt es Informationen über freie Hotelzimmer im gesamten Münsterland und das kostenfrei! Tel: 02861/393-252

Tip: Unweit der Hamalandroute in Bottrop-Kirchhellen liegt der große Freizeitpark WARNER BROS. MOVIE WORLD GmbH & Co. KG, Warner-Allee 1, 46244 Bottrop, (02045) 899-899 Fax: 852 62; eine Mischung aus Universal-Filmstudios und Disneypark, mit Batman (Nervenkitzel), Abenteuer Hollywood, Western Musical Revue, "Die unendliche Geschichte" und vieles mehr. A31 Abfahrt Kirchhellen. Eintritt 36,- DM Erwachsener; Kind (4-11 Jahre) 30,-, Öffnungszeiten je nach Jahreszeit ab 09.00 oder 10.00 Uhr bis 19.00 (im Sommer bis 20.00/21.00 Uhr).

Burgen: Jugendburg Gemen (Jugendbildungsstätte des Bistums Münster); Schloßpark 1, 46325 Borken-Gemen, Tel. 02861/92200, Kontaktadresse: Postfach 1340, 46303 Borken-Gemen.

Ausflug: Wenn Sie Fan der klassischen Erzählliteratur sind, dann sollten Sie ebenfalls einen Abstecher nach Schloß Hülshoff unternehmen, Stammsitz der Adeligen Autorin Annette von Droste-Hülshoff (eigentlich heißt sie Anna Elisabeth Freiin Droste zu Hülshoff). Das Schloß liegt westlich Münster; zwischen Münster und Havixbeck.

Anfahrt: Über das Ruhrgebiet auf die A 31 Richtung Emden. Aus Norden über die A30 Abfahrt Schüttorf, Beschilderung A31 folgen.

Literatur: Ernst Höhne: Traumfahrten durch Deutschland, Deutscher Bücherbund GmbH & Co.
 
 


Zuletzt aktualisiert 30.08.98 (24.09.98) Redaktionsbüro Kebschull