Fahrberichte - Porsche 944


Mit dem 944 "On the Road"

von Gerd Kebschull

Dem Mythos Porsche auf der Spur

Eigentlich bin ich ein recht nüchterner Mensch. Als Dipl.-Ing. und Dozent für Industriebetriebslehre achtet man schließlich auf die Kosten und die Wirtschaftlichkeit. Mein erstes Auto, wie sollte es anders sein, ein zehn Jahre alter VW-Käfer mit 34 PS (1973) und über 100.000 km "auf dem Buckel". Auch die anderen Fahrzeuge wurden nach dem Motto angeschafft: Wieviel Kraftstoffverbrauch, wie teuer in der Versicherung usw. So reihten sich in 23 Jahren die folgenden Fahrzeuge ein: DB 200 (fast 8 oder 9 Jahre alt), Citroen, Honda (erster Neuwagen), BMW 320 (fast vergessen), DB190 (erster Jahreswagen), DB250 (erster Neuwagen von Mercedes), Kadett (erster Zweitwagen), Seat Marbela, VW-Golf.

Im Hintergrund schlummerte aber immer der Wunsch: Einmal muß es ein Porsche sein. So zum Spaß habe ich zu meinem Kollegen gesagt: "Ein Ziel habe ich - mit spätestens 50 will ich einen Porsche besitzen". Was sagt dieser "nette" Mensch: "Dann bist du viel zu alt dafür!" Aber diesem Menschen habe ich es zu verdanken, daß ich heute Porsche fahre, denn unermüdlich hat er mir neue Fahrzeuge vorgestellt. Nicht ganz ernsthaft habe ich dann meine erste Probefahrt gemacht (macht ja Spaß, der Gedanke macht einen unruhig), und plötzlich war dieses Fieber da. Porsche ist nicht nur eine Automarke, sondern diese Fahrzeuge sollte mit der Aufschrift versehen werden:

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!"

Und plötzlich war es passiert: Noch etwa 12 Jahre von der Schallgrenze 50 Jahre entfernt, stand ein Porsche vor der Tür. Natürlich kein Neuwagen und kein 911 Turbo, aber ein solider 944, dem man seine X Jahre (Dank sei der feuerverzinkten Karosserie) nicht ansieht. Na ja, ist ja klar, wenn man den ersten eigenen Porsche fährt, daß dann Begeisterung da ist - aber die läßt nach. Habe ich auch gedacht - stimmt aber nicht.

Ich fahre morgens zur Arbeit. Der Motor springt an und der Wagen rollt mit einem satten Sound aus der Garage. Behutsam wird der Wagen warm gefahren, denn was kein Auto "abkann" sind hohe Drehzahlen, wenn das Öl noch nicht warm ist. Und da ist es wieder - dieses Gefühl: Der Wagen beschleunigt mit sanften Druck, Kurven machen Spaß und die eigentlich eintönige Fahrt zur Arbeit wird zum Ereignis. Tina Turner oder Joe Jocker lassen eine Gänsehaut zurück und es ist egal, ob es regnet, die Autobahn voll oder leer ist - auch die GTI´s lasse ich gern passieren - sollen Sie ihren Spaß haben und erzählen, sie hätten einen Porsche geschlagen: "Ich habe die Lässigkeit von 118 KW oder fast 160 PS". Damit kann man zwar keine Bäume ausreißen, aber 200 bis 220 und recht selten mal 230 sind ´drin.

Ein besonderes Erlebnis ist das Fahren ohne Dach. Wann immer möglich, nicht gerade bei Sonne und nur 15 Grad - aber oft genug, wird das Targa-Dach entfernt und Sonne und Luft "pur" getankt. Daß dann die Heimfahrt noch etwas länger dauert, stört mich nicht. Denn kaum bin ich zu Hause, geht´s weiter, denn auch mein Engel braucht diese regelmäßigen Fahrten mit dem Porsche.

Aus dem Hobby Porsche ist eine Passion geworden. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, daß ich die meisten Fahrzeuge (bis auf den 968) als Model habe. Auf einem Porsche-Fahrtag habe ich das erste Mal einen 911 (993) erlebt. Dieser Sound, diese Dynamik, dieses unnachahmlich Design ist eigentlich schon 25 Jahre alt. Wie konnte man vor 25 Jahren in der Lage sein, so ein Auto zu erfinden? Das konnte doch nur ein Genie sein.

Was soll´s, wenn einige Nachbarn, Bekannte oder Verwandte mich belächeln. Vielleicht habe ich mir, trotz "hohen" Alters, eine gewisse kindliche Freude erhalten. Mich stört es nicht. Mir tun nur die Menschen leid, die sich über fast nichts mehr freuen können.

Ich habe noch einige Wünsche: Einmal einen 996 fahren, einmal mit einem 911-Turbo mitfahren, einmal mit einem GT2 mitfahren, einmal einen GT1 streicheln:

Wenn man noch Wünsche hat, lebt man...

Gerd Kebschull

Zuletzt aktualisiert 29. April 1997 (Bilder und Ergänzungen 31.03.98) (24.09.98) von Gerd Kebschull