Ich hatte seit Ende meines Studiums 4 Porsche 924 in meinem Besitz und bin von keinem der Fahrzeuge enttäuscht worden. Danach mußte ein "echter" Porsche her. Der erste war ein 911S Targa aus dem Jahr 1974 mit 175 PS, der war wie sich bei einer eingehenden Inspektion herausstellte vom Rost doch übel angeknabbert. Ein Italiener hat ihn dann gekauft und in seine Heimat verfrachtet. Der nächste war ein 911SC Targa, der war noch sehr leicht weniger als 1200Kg und mit 204Ps sehr flott unterwegs. Aber ohne Kat, also mußte noch einer mit KAT ins Haus bzw. die Garage.
Von einem älteren Herren aus dem Raum Marburg kaufte ich dann ein 911er Cabrio aus dem Jahr 1986 mit KAT und 217 PS. Als der Mann das Auto aus der Garage fuhr wußte ich sofort, das waren keine Sprüche am Telefon. Das Auto war wirklich traumhaft gepflegt. Nach einem, wie sich herausstellte, überflüssigem Check beim PZ in Giessen-Wettenberg war das Cabrio mir. Dazu ist zu sagen der KAT hatte dem Motor doch den gewohnten Biß genommen, das hatte ich zwar vorher auch nicht glauben wollen es stimmte aber.
Nächste Station war ein C2 Bj. 92 eine schwarze Stunde in meiner Porsche-Historie, das Auto war vom Zustand perfekt. Aber wie sich durch Zufall herausstellte war der Tacho ausgetauscht worden, von einem in der Branche gut bekannten Händler (kein PZ !!!). Nach langem hin und her und der freundlichen Unterstützung von Herrn Schwarzenbauer, Fa. Porsche wurde der Kauf rückabgewickelt.
Nach einiger Zeit Abstinenz die sich aus dem oben geschilderten ergeben hatte, war die Sehnsucht nach einem 11er größer als zuvor. Mit einem nicht ganz so guten Gefühl wurde ich dann Besitzer eines C4 Bj. 92 aus erster Hand im PZ-Ludwigsburg gepflegt. Das Auto war sehr schön anzusehen, Sportfahrwerk, Cup-Felgen, Voll-Leder und mitternachtsblau-metallic. Aber es war ein C4 und nach ein, zwei Monaten war die Unzufriedenheit so groß, daß ich wieder ein echten 11er wollte.
In engen Kurven beherzt Gas geben war in diesem Auto grausam, wie ein übermotorisierter Golf schiebt das Ding über die Vorderräder und war mit keiner noch so mutwilligen Aktion vom geradeaus Kurs abzubringen. Und schwer, viel zu schwer war das Auto auch noch.
Nach knapp drei Monaten wurde ich beim Jahreswagen-Pool der Porsche AG fündig. Einer der letzten 911 Typ 964 mit Heckantrieb in schwarz-Met. Damit war die Welt (-Porsche) wieder in Ordnung. Als erstes absolvierte ich einen Fahrerlehrgang der Porsche AG auf dem Hockenheimring (das war die Einstiegsdroge!!)
Danach bin ich zu verschiedenen Einladungsrennen der Porsche-Clubs gefahren um da im Sport-Pokal „mit zurennen."
Beim zweiten Wochenende kam es dann zu einem typischen Anfängerfehler.Nach ein paar schnellen Runden auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings, bin ich statt das Auto mit gelöster Bremse die letzten Meter ausrollen zu lassen, mit getretenem Bremspedal in der Boxengasse angehalten. Die Bremsbeläge lagen nun an der Scheibe, die noch stark erhitzt war an das führte zu einer lokalen Überhitzung der Scheibe. Bei der Weiterfahrt schüttelte der ganze Vorderwagen. Entrüstet wegen des vermeintlichen Gebrechen meines Porsche bin ich zum PC-Fulda gefahren. Diagnose: die Scheiben waren wellig, total verzogen.
Ja, der Belastung war auch eine Bremse wie die des 911 nicht gewachsen. Nach nicht einmal 20TKm mußten jetzt Scheiben und Beläge ausgetauscht werden. Mein Fehler!!
Ich liess mich davon jedoch nicht abschrecken. Beim Porsche-Tuner und Amateurrennfaher Harry Weishaupt Fa. SHK-Motorsport bestellte ich den Einbau einer Bremsanlage vom 911 Turbo (bzw. die des 964 RS). Um das ganze komplett zu machen noch ein Fahrwerk incl. speziellem Stabi-Paket (für Hockenheim mit härterer Einstellung an der VA) Eine Schaltwegverkürzung und eine Recaro-Schale. Die Kühlschächte für die Bremsen sowie ein Cup-Rohr nebst K&N Luftfilter installierte ich selbst.
Die Bremsen in diesem Auto, jedem Beifahrer wird übel ohne Übertreibung. Nach etwas Nachhilfe und eigenen Erfahrungen mit div. Luftdrücken (man glaubt nicht wie sensibel der 911er darauf reagiert) wurden die Rundenzeiten auf dem kleinen Kurs in Hockenheim immer schneller ( knapp unter 1:20 waren die Spitze, danach liessen die Pirelli P-Zero so stark nach, daß das Auto mehr rutschte als vorwärts ging). Wer es das erste mal schafft einen 911er richtig in die Sachs-Kurve einzulenken mit einem einmal richtig gewählten Lenkradeinschlag und dosiertem Gas auf die äußeren Curbs (am Kuvenausgang) zufliegen zu lassen, der fühlt sich nachher wie klein Schumi.
Der große Kurs macht noch wesentlich mehr Spaß. Hier geht es auf den langen Geraden voll, also wirklich mit viel Schwung aus der Jim Clark Schikane und dann jeden Gang bis zum Begrenzer Richtung Ostkurve. Was dann kommt ist in Worten schlecht zu beschreiben. Mit voller Wucht wird nur einmal, aber das mit allem was Oberschenkel und Gesäß hergeben, auf die Bremse getreten. Das was die riesigen Brembo-Sättel im verein mit den innenbelüfteten und gelochten Bremsscheiben aus dem 911 turbo mit dem "normalen 911er" (soweit erleichtert wie es irgend geht) anstellen ist phänomenal. Das ganze Auto wird regelrecht zusammengestaucht. In diesem Zusammenhang mein Dank an Harry Weishaupt für die saubere Abstimmung meines Porsche. Das wurde mir auch von einem Instruktor der Porsche-Fahrsicherheits-Staffel bestätigt.
Nach 10-12 Runden hat man dann eine kleine Vorstellung von dem was die Profis in ihren fliegenden Kisten realisieren. Ich betreibe sehr intensiv Sport, Fett habe ich auch keins auf den Rippen, dennoch war ich jedesmal schweißgebadet. Mein Respekt an die, die das in noch weiter hinausgeschobenen Grenzbereich über sehr viel längere Distanzen veranstalten.
Mit wenigen Worten das Auto war ein Traum!
Viele Grüße vom Bodensee
an alle die Spaß am Porschefahren haben
Thomas Zingel
E-Mail: -> tz@neurotec.de <<--