Thema - April 1998


Das Thema des Monats wird heute von mir (Gerd Kebschull) angesprochen. Durch die Presse geht das Gerücht, daß Porsche, auch in den Bereich Geländewagen, aktiv eingreifen will.

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Porsche und Geländewagen

Autor: Rösler E-Mail: roesler@lrz.uni-muenchen.de

"Schuster bleib' bei deinen Leisten" trifft den Nagel auf den Kopf: Meiner Meinung nach sollte Porsche weder einen Geländewagen zum Preis eines Carreras noch ein Einstiegsmodell zum Preis eines Golf GTI bauen.
Zum Thema Geländewagen:

1) Geländewagen ALS NORMALES FORTBEWEGUNGSMITTEL sind wahrscheinlich eine Modeerscheinung.

2) Sie können im alltäglichen Straßenverkehr nichts besser als "normale" PKW, wenn diese auch noch mit Allrad ausgestattet sind wird es auch abseits trockener Straßen eng.

3) Geländewagen verbrauchen zu viel Benzin und bremsen viel zu schlecht. Selbst Luxusgeländewagen wie ein Mercedes G-Modell machen da keine Ausnahme (das Bremsverhalten ist eine Frechheit). Als empfehlenswerte Motorisierung kommen daher Dieselmotoren in Frage, die zumindest einen Teil des höheren Kraftstoffverbrauchs wieder wett machen. Eine freiwillige Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit wäre für die Sicherheit v.a. der anderen Verkehrsteilnehmer ratsam. (Was bringt mir ein Sportwagen, der aus 100 km/h nach 35 Metern steht, wenn hinter mir ein Geländewagen fährt, dessen Bremsweg 20 Meter länger ist?)

4) Die Geländewagenenthusiasten, die ich kennengelernt habe, legen nicht Wert auf möglichst hohe Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit, sondern auf Themen wie Geländegängikeit, Zugkraft für Anhänger und dergleichen.

5) Porsche läuft wieder mal nur einem Trend aus den USA hinterher.

V.a. wegen Punkt 5 wird es über kurz oder lang (aber wohl eher kurz) einen Porsche Geländewagen geben. Genauso wie der 996 jetzt mit zwei, in einem Sportwagen absolut überflüssigen Cupholdern für die Luftaustrittsöffnungen geliefert wird. Selbstverständlich kann man niemanden verbieten, einen übermotorisierten Kühlschrank auf Rädern zu bewegen. Das soll auch jeder so halten, wie er will. Die Frage ist nur, ob ausgerechnet eine Firma wie Porsche hier präsent sein sollte.

Zum Thema Einstiegsmodell wäre zu bemerken, daß ein Fahrzeug in der Preisklasse eine VW Golfs für das Image der Firma Porsche wohl eher abträglich wäre. Ein preiswertes Boxstercoupé stellt meiner Meinung nach die nach unten äußerste Grenze dar. Als unterste Preisgrenze sehe ich zwischen 50.000.-- und 60.000.-- DM.

Worauf sich Porsche in Zukunft konzentrieren sollte, ohne überflüssige Millionen in überflüssige Geländewagenmonster zu investieren, ist die Entwicklung eines gewichtsoptimierten Sportwagens. Aufgrund der heute unverzichtbaren Luxusausstattung, werden die Autos immer schwerer. Auch der in dieser Hinsicht so gepriesene 996 stellt nur einen kleinen Schritt in die richtige Richtung dar: Die im Schein angegebenen 1350 kg Gewicht wurden bisher noch von keiner Zeitschrift bestätigt. Das Gewicht liegt immer so um die 1400 kg, also auf 993 Niveau. Immerhin handelt es sich ja um ein deutlich größeres Auto. Aber anzupeilen wären Werte um die 1200 kg, dann müßte sich auch niemand über zu wenig Leistung beklagen.

Als Einstiegsmodell könnte ich mir dann gut ein Fahrzeug unterhalb des Boxsters vorstellen, mit weit unter 1000 kg Gewicht, ca. 150 PS Leistung (4-Zylinder), deutlich kleiner und kompakter als der Boxster und mit spartanischerer Ausstattung. Ein Fahrzeug im Stile der Lotus Elise ist meiner Meinung nach eine Marktlücke, die eine ausgesprochene Sportwagenfirma wie Porsche eher besetzen sollte als die der Luxusgeländewagen.
 

FAZIT:

Die zwei Ziele im Sportwagenbau, nämlich möglichst wenig Gewicht und genügend Leistung, sollte gerade eine Firma wie Porsche, als Synonym für Sportwagenbau, nicht aus den Augen verlieren, und daher nicht versuchen, bei Geländewagen das hohe Gewicht und die fehlende Dynamik durch astronomische Leistung wettzumachen.
 


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Zuletzt aktualisiert 14.04 1998 vom Redaktionsbüro Gerd Kebschull