Thema des Monats Juli ... 99


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"Der 924 - gar (k)ein richtiger Porsche?"

Autor: Thomas Voigt
Neben den vielen emotionalen Diskussionen um dieses Thema nun der Versuch einer sachliche Antwort auf diese Frage:

Nein! Der 924 ist kein richtiger Porsche.

Die Grundlage dieser Aussage ist einfach. Es gibt keinen Typ „924“ in den Konstruktions- und Teileinformationen der Porsche AG. Entwickelt als Auftrag EA425 für Volkswagen wurde der Wagen kurzfristig von Porsche ‚adoptiert’, als der Serienbau vom Auftraggeber verworfen wurde. Um das Fahrzeug neben dem neuen Porsche Typ 928 zu positionieren, wurde die Verkaufsbezeichnung 924 erfunden. Intern wurde der ursprüngliche VAG-Code 477 beibehalten. Ein kurzer Blick auf die Ersatzteillisten bestätigt dieses. Es gibt kein Ersatzteil für den Typ 924 !

Dennoch bildete dieses Fahrzeug die Basis für viele ‚richtige’ Porsche Typen. Nach der Adoption betrachteten die Porsche Techniker das Kind mit anderen Augen. Es gehörte nun zur Familie. Bereits 1979 wurde mit dem Typ 931 (924 turbo) der erste richtige Porsche der 924-Baureihe vorgestellt.

In jener Zeit war bereits klar, dass man mit dem 928 das angestrebte Ziel, den 911 abzulösen, nicht erreichen kann. Also steckte man alle Kraft in den 924, um aus ihm eine Alternative zum 911 zu entwickeln. Auch sportlich musste das Fahrzeug gleichwertig positioniert werden. Die Entwicklung des Typ 937 (924 Carrera GT) führte zu einem weiteren großartigen echten Porsche, der bereits beim ersten Auftritt 1980 in LeMans beachtliche Erfolge einfuhr. Das bereits in der Entwicklung befindliche neue Triebwerk auf Basis eines halben 928-Motors sollte mit Turboladung schließlich den 911 in die Pension schicken.

Doch durch den Eingriff der Familie Porsche wurde das Management abgelöst und die Ablösung des 911 verworfen. Die Entwicklung wurde wieder auf das alte Auto konzentriert.

Die bereits getätigten Arbeiten beim 924 wurden jedoch noch verwendet. Allerdings mit einer neuen Ausrichtung. Entgegen der ursprünglichen Planung, den neuen Motor im Typ 944 in der schmalen Karosserie anzubieten, kam der 944 (163 PS) in der Form des 924 Carrera GT auf den Markt. Ein Schaf im Wolfspelz. Niemand konnte die technische Notwendigkeit der breiten Kotflügel erklären. Der letzte 924 turbo (177 PS) kam gut ohne aus und war dem 944 in jeder Hinsicht überlegen.

Der ursprünglich geplante 944 kam einige Jahre später als 924 S auf den Markt.

Trotz der Sorge um die Zukunft des 911 wurde auch der Serienbau des geplanten 911-Killers freigegeben. Als Hightech Auto war der Typ 951 (944 turbo) eine Sensation. Eine restriktive Preisgestaltung verhinderte den verdienten Erfolg.

Zum Ende des Lebenszyklussees der 924 Baureihe führte die Entwicklung des 944 Nachfolgerszum letzten Typ dieser Familie, dem 968. Auch die Techniker durften zum Schluss noch mal zeigen, was möglich wäre, wenn man wollte: Der 968 turbo S war 1993 dem zeitgleich vorgestellten 993 wieder in jeder Hinsicht überlegen. Aber es wurden nur 16 Stück produziert und 1995 endete die zwanzigjährige Entwicklung des 924.

Der 924 war kein echter Porsche, aber er war die Basis für viele echte Porsche. Im übrigen hat diese Frage nur historische Bedeutung – an der unbestrittenen Qualität des Fahrzeugs ändert das alles nichts.



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